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Schafwolle

Wolle – ein wertvoller Rohstoff mit vielseitigem Potential

Wolle ist ein natürlicher, nachhaltiger Rohstoff mit vielseitigen Eigenschaften. Wolle ist das “Kleid” der Schafe. In Österreich ist Schafwolle ein Produkt, das zwar durch die Schur jedes Jahr in großen Mengen anfällt, aber oft nicht den Wert erhält, den es verdient. Nach der Schur wird die Wolle gesammelt. Vor der Verarbeitung wir der natürliche Rohstoff zunächst gewaschen. Anschließend wird die Wolle zu Garn, Filz oder anderen Produkten weiterverarbeitet.

Ein Schaf produziert zwischen 2,5 bis 4kg Wolle im Jahr. In Österreich wurden im Jahr 2024 rund 800.000 kg Schafwolle gewonnen.

Hintergrundinformationen

BESONDERHEITEN DER WOLLE

Geschichte der Wolle

Wolle wird bereits seit der Bronzezeit als textiles Material verwendet. Mit Hilfe von Spinnrädern, früher manuell heute maschinell bedient, wird die Wolle zu Garn gesponnen.

Feinheit&Farbe

Abhängig von der Schafrasse unterscheidet sich Wolle in Feinheit und Farbe. Auch die Haltung und Fütterung der Schafe haben Einfluss auf die Beschaffenheit der Wolle.

Vermarktung von Wolle

Ein Großteil der in Österreich anfallenden Wolle wird über Händler:innen/Käufer:innen vermarktet, der andere Teil wird im Rahmen der Direktvermarktung verarbeitet und vermarktet.

Produkte aus Wolle

Schafschur – Warum müssen Schafe geschoren werden?

Schafe müssen aus mehreren Gründen geschoren werden. Wildschafe haben ein Haarkleid, das aus Oberhaaren und Unterhaaren besteht. Die Oberhaare dienen als Witterungsschutz, während die Unterhaare das Tier vor Kälte schützen. Bei domestizierten Schafen hat sich durch die Erbänderung das sogenannte „Vlies“ entwickelt, das ausschließlich aus Unterhaaren besteht und keinen natürlichen Haarwechsel mehr aufweist.

Warum ist Schur für das Tier notwendig?

  • Gesundheit und Wohlbefinden: Ohne regelmäßige Schur wird die Wolle schwerer, verfilzt und verstopft die Poren, was zu Hautproblemen und Parasitenbefall führen kann.

  • Verbesserte Beweglichkeit: Nach der Schur haben die Tiere mehr Bewegungsfreiheit und sind weniger anfällig für Überhitzung.

  • Parasitenkontrolle: Eine regelmäßige Schur erleichtert die Kontrolle auf Parasiten wie Zecken oder Fliegenmaden.

Die Schur erfolgt in der Regel einmal jährlich, wobei bei bestimmten Schafrassen wie den Bergschafen auch eine zweite Schur notwendig sein kann. Man kann zwischen Frühjahrs- und Herbstschur unterscheiden. Heutzutage ist die Herbstschur die gängigste Variante, da man nach einem Sommer auf der Alm sauberere Wolle hat, als im Stall.

Warum landet heimische Wolle im Müll?

Trotz der großen Menge an Wolle, die in Österreich jährlich anfällt – etwa 800 Tonnen im Jahr 2024 – wird ein erheblicher Teil davon nicht genutzt. Der Grund liegt in der geringen Nachfrage und den niedrigen Preisen, die den Verkauf von Rohwolle weniger rentabel machen.

Faktoren, die den Wollewert beeinflussen:

  • Preis der Rohwolle: Der durchschnittliche Schafwollpreis lag 2024 bei 99 Cent pro Kilogramm – das reicht oft nicht aus, um die Schurkosten zu decken.

  • Wettbewerb durch synthetische Fasern: Kunstfasern haben die Nachfrage nach Wolle in der Textilindustrie gedrückt, da sie günstiger sind und ähnliche Eigenschaften bieten.

  • Verwendung in der Industrie: Große Mengen Wolle werden vor allem als Dämmmaterial oder in anderen industriellen Anwendungen genutzt, anstatt in hochwertige Textilien verarbeitet zu werden.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es dennoch Produkte, die großen Anklang finden:

  • Lammfelle, medizinisch gegerbte Betteinlagen, Vorleger und Wandbehänge

  • Innovative Verwendungen: Wolle wird auch zu Langzeitdüngern oder nachhaltigen Produkten wie der AUTwool-Weste (zu 100% österreichisch) weiterverarbeitet.

 Merinowolle – Qualität aus Österreich

Merinowolle ist weltweit bekannt für ihre Weichheit und herausragenden Eigenschaften. In Österreich wird auch Merinowolle produziert, aber ohne die problematische Praxis des *Mulesing, die in Australien weit verbreitet ist.

Was macht Merinowolle so besonders?

  • Feinheit der Fasern: Merinowolle ist besonders fein und weich, was sie ideal für empfindliche Haut macht.

  • Hautfreundlichkeit: Sie wird oft für Menschen mit Hauterkrankungen wie Ekzemen genutzt, da sie zu signifikanten Verbesserungen führen kann.

  • Vielseitigkeit: Merinowolle reguliert die Körpertemperatur, transportiert Feuchtigkeit von der Haut weg und hält den Körper sowohl bei Kälte als auch bei Wärme komfortabel.

In Österreich wird das Merinolandschaf gezüchtet, eine robuste Rasse, die sich sowohl für die Fleisch- als auch Wollproduktion eignet. Diese Schafe sind an das heimische Klima angepasst und produzieren eine besonders glänzende, reine Wolle ohne Stichelhaare.

So sieht`s in der Praxis aus:

Echte Wolle ist ein Naturprodukt, das mit der richtigen Pflege viele Jahre lang getragen werden kann. Hier sind einige einfache Tipps, um deine Wollartikel in gutem Zustand zu halten:

  1. Schonendes Waschen: Wolle sollte bei maximal 30 Grad im Wollwaschgang oder Handwäsche gewaschen werden. Verwende dabei ein spezielles Wollwaschmittel.

  2. Kein Trockner: Vermeide den Wäschetrockner! Wolle sollte an der Luft und flach liegend getrocknet werden, um ihre Form zu bewahren.

  3. Bügeln vermeiden: Wolle sollte nicht gebügelt werden. Bei Bedarf kannst du das Kleidungsstück mit Dampf behandeln, um Falten zu entfernen.

  4. Lagerung: Wollprodukte sollten an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahrt werden. Lavendelsäckchen können dabei helfen, Motten fernzuhalten.

  1. ÖBSZ-Jahresbericht 2024
  2. Planet Wissen, Wolle 
  3. Dobos, Zeitgemäße Schafhaltung, Seite 59.

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