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Grünlandbewirtschaftung, Fütterung & Effizienz

„Die Grünlandbewirtschaftung in Österreich ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft sondern auch essentiell für die Futtergrundlage unserer Nutztiere.“

Grünlandbewirtschaftung

Österreich umfasst eine Fläche von 8,39 Mio. ha – davon 2,57 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche. 1,32 Mio. ha werden in Österreich als Grünland (extensiv und intensiv inkl. Almen) genutzt.

Grünlandbewirtschaftung bedeutet, dass Wiesen und Weiden gemäht oder beweidet werden, um daraus Futter für Nutztiere zu gewinnen. In Österreich werden viele Grünlandflächen mehrmals im Jahr gemäht, um Heu und Silage zu erzeugen.

Drum beachte: Hundekot und Müll in Wiesen und Felder kann bei Tieren von schweren Verletzungen, Erkrankungen bis zum Tod führen – gehe sorgsam mit der Umwelt um!

Vorteile in der Grünlandbewirtschaftung:

  • Grünland liefert hochwertiges Futter für Rinder, Schafe und Ziegen. So können Nahrungsmittel in Regionen erzeugt werden, in denen kein Ackerbau möglich ist (z.B.: Aufgrund steiler Flächen, zu hohen Niederschlägen, hohem Grundwasserstand oder schwer zu bearbeitenden Böden).
  • Grünland schützt den Boden vor Erosion und Austrocknung, speichert Kohlenstoff und trägt so zum Klimaschutz bei. Es fungiert als Filter für Nähr- und Schadstoffe und schützt somit das Grundwasser.
  • Extensiv genutztes Grünland wird seltener gemäht und weniger gedüngt. Es ist besonders artenreich.

Erster Schnitt

So bezeichnet man den ersten Mahdzeitpunkt im Jahr – meist Ende April bis Mai, abhängig von Region und Wetterlage. Warme und feuchte Witterung beschleunigt und ein Temperatursturz bremst die Wachstumsphase des Futters. Für den optimalen Schnittzeitpunkt sollten sich 60% der Leitgräser im Ähren-/Rispenschieben befinden. Dieser optimale Zeitpunkt ist nicht nur für die Wiese von Bedeutung, auch für die Qualität des geernteten Futter (in konservierter Form von Silage oder Heu). Landwirt:innen achten daher genau auf den optimalen Zeitpunkt um das richtige Verhältnis von Rohfaser, Rohprotein und Energie im Futter zu haben für die Tiere.

SatGrassApp

Das Grünland entwickelt sich oft schneller, als man denkt. Ein paar warme Tage im Frühjahr können den optimalen Schnittzeitpunkt plötzlich näher rücken lassen. Wer zu früh oder zu spät mäht, riskiert Ertragsverluste oder Qualitätseinbußen im Futter. Genau hier setzt die SatGrass-App Gumpenstein an. Mithilfe von Satellitendaten und Wettermodellen liefert sie eine tagesaktuelle Einschätzung von Ertrag und Futterqualität – individuell für jeden Schlag eines Betriebes. Statt sich nur auf Erfahrung oder Stichproben zu verlassen, erhalten Landwirtinnen und Landwirte eine digitale Entscheidungshilfe für das Grünlandmanagement.

Die Prognosefunktion zeigt dabei, wie sich Qualität und Ertrag in den nächsten Tagen entwickeln könnten. Grundlage dafür sind Wetterdatenmodelle, die in die Berechnungen einfließen.
Das Ergebnis: Landwirtinnen und Landwirte können besser abschätzen, wann der optimale Zeitpunkt für den nächsten Schnitt erreicht ist.

Extreme Trockenheit in Österreich

Zurzeit erleben wir regional den trockensten Frühling seit Messbeginn!

Besonders Landwirtinnen und Landwirte sind davon stark betroffen. Auch die Häufung von Waldbränden rückt zunehmend in den Fokus. Windige Verhältnisse verschärfen die regionalen Situationen. Mittlerweile zeigt sich dadurch bereits eine teils verzögerte Vegetationsentwicklung. Österreichweit liegt das Minus der Niederschlagsabweichung bei 60%, regional bei 80-90%.

Was frisst eine Kuh?

Kühe sind Wiederkäuer, ihre Nahrungsgrundlage ist Gras (frisch, konserviert als Silage oder Heu). Dadurch können wir Lebensmittel gewinnen, die wir sonst nicht nützen könnten. Zusätzlich erhalten Kühe noch Ergänzungsfutter, um die Energie- und Eiweißversorgung zu optimieren – z.B. Gerste, Weizen, Raps- und Sojaextraktionsschrot und Mineralfutter.

Die Futterration ist an das Tier und dessen Leistung angepasst. Im Durchschnitt fressen Kühe zwischen 15-23kg Trockenmasse pro Tag. Unter Trockenmasse versteht man die Frischmasse abzüglich dem Wasser. Alle im Futter enthaltenen Inhaltsstoffe befinden sich in der Trockenmasse. In der Landwirtschaft wird auf dieser Basis die Futterration berechnet.

1 kg Frischmasse Grassilage entsprechen ungefähr 350 g Trockenmasse. Bei Maissilage entspricht 1 kg Frischmasse rund 330 g Trockenmasse. 1 kg Heu Frischmasse hat eine Trockenmasse von rund 860 g.

Woher wissen Landwirt:innen, welche Leistung eine Kuh aktuell hat?

Durch regelmäßige Milchleistungskontrollen kennen Landwirt:innen die jeweilige Milchmenge und auch die Milchinhaltsstoffe jeder Kuh. Diese Daten sind die Basis für die Rationszusammenstellung, damit jede Kuh optimal versorgt ist.

AMA-Gütesiegel-Richtlinien für die Fütterung von Milchkühen

Der überwiegende Teil des Futters für die Milchkühe soll gemäß der AMA-Gütesiegel-Richtlinie vom eigenen Betrieb stammen. Werden Futtermittel zugekauft, müssen diese pastus+-zertifiziert sein. Alle nicht zugelassenen Futtermittel sind in der Negativliste der AMA-Marketing angeführt und dürfen im AMA-Gütesiegelprogramm nicht verwendet werden.

Alle AMA-Gütesiegelbetriebe setzen bei der Fütterung von Milchkühen auf gentechnikfreie Futtermittel. So darf gentechnisch behandelter Soja nicht verfüttert werden.

Futtereffizienz – breed4green

Die Rinderzucht arbeitet stetig über Forschungsprojekte an der Weiterentwicklung der Branche um sich in Hinblick auf Tierwohl, -gesundheit und Nachhaltigkeit immer weiter zu verbessern und die Umweltwirkung weiter zu senken.

Definition Futtereffizienz

In der Nutztierhaltung steht die Futterverwertung oder Futtereffizienz als ein Maß für den Futterverbrauch je Leistungseinheit eines Tieres. In der Fleischproduktion misst man also, wie viel Futter je ein Kilogramm Gewichtszunahme des Tieres in der Haltung notwendig ist. Bei der Kuh steht dagegen vor allem die Milchproduktion als „Leistungseinheit“ im Vordergrund. Die Futterverwertung oder Futtereffizienz als Kennzahl gibt also wieder, wie viel Liter Milch eine Kuh aus einem Kilogramm Trockenmasse produziert.

Ziel ist es somit, die Futterverwertung und damit die Nährstoffaufnahme und Verdauung zu steigern, um am Ende möglichst effizient Milch produzieren zu können. Denn so lassen sich schließlich Ressourcen schonen und entsprechend Futterkosten sparen. Deshalb ist es das Anliegen der Nutztierhalter:innen, die Futterrationen für die Tiere möglichst gut verwertbar zu gestalten. Bei dieser nachhaltigen und effizienten Fütterung kommt es nicht nur auf den genauen Inhalt an, dem Bedarf des einzelnen Tieres bzw. der Tiergruppe angepasst, sondern auch auf die Struktur der Futterbestandteile.

Eine gute Futtereffizienz bedeutet:

  • weniger Futterkosten pro Liter Milch oder kg Fleisch
  • bessere Wirtschaftlichkeit für landwirtschaftliche Betriebe
  • effizienterer Einsatz von Ressourcen wie Fläche und Arbeit

Die Futtereffizienz wirkt sich außerdem auf Klima und Umwelt aus:

  • weniger Treibhausgase: Rinder produzieren Methan (CH4) bei der Verdauung. Wenn ein Tier effizienter ist, produziert es weniger Methan pro Kilogramm Milch oder Fleisch. Dies verbessert die Klimabilanz der Produktion.
  • geringerer Flächenbedarf: Effizientere Tiere brauchen weniger Futter – weniger Anbaufläche für Futtermittel -> geringerer Druck auf Böden und Ökosysteme.
  • bessere Ressourcennutzung: Effiziente Tiere nutzen Energie aus Gras besser -> insgesamt nachhaltigere Produktion

Die österreichische Milcherzeugung zählt zu den klimafreundlichsten weltweit!

Das Projekt

Die GVO-freie Erzeugung, die Dominanz der Doppelnutzung und der hohe Anteil an hofeigenen Futtermitteln sind wichtige Beiträge dazu. Um sich noch weiter zu verbessern, soll mit breed4green ein weiterer Schritt Richtung Nachhaltigkeit der österreichischen Rinderwirtschaft gesetzt werden. Dabei steht das Einzeltier im Fokus. Züchterische Verbesserungen in der Futter- bzw. Energiedifferenz und Reduktion der Treibhausgas-Emissionen sind wichtige Hebel, um die Umweltwirkungen zu reduzieren und damit die Nachhaltigkeit der Rinderwirtschaft zu verbessern.

Ziel vom Projekt breed4green ist die Zucht für mehr Nachhaltigkeit. Es werden züchterische Möglichkeiten erforscht, um die Futtereffizienz zu verbessern und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren (bei den Rassen Fleckvieh und BrownSwiss).

Methan entsteht im Pansen bei der Verdauung von Gras bei Wiederkäuern und ist ein farbloses, geruchsloses Gas.

Mit dem GreenFeed-System wird in Echtzeit die Methanemission von der einzelnen Kuh während dem Fressen von Ergänzungsfutter gemessen, anhand der Atemluft, die die Kuh während dieser Zeit ausatmet. Durch kleine Mengen Ergänzungsfutter kommt jedes Tier mehrmals pro Tag zu Station. 

Erste Ergebnisse

Bisher wurden Methanmessungen auf 16 Betriebe bei 681 Kühen durchgeführt. Die durchschnittliche Methanemission betrug 431g pro Tier und Tag – es zeigen sich bereits deutliche Unterschiede zwischen den Tieren, somit sind züchterische Anpassungen durchaus möglich!

Du willst wissen, wie sich die Fütterung von Rindern auf das Fleischaroma auswirkt? Dann klick hier.

Wie eine Milchleistungskontrolle abläuft, erfährst du per Klick hier.

  1. Rinderzucht Austria
  2. Grüner Bericht, 2024
  3. Agrarstrukturerhebung
  4. LK Kärnten & Oberösterreich
  5. AMA.info
  6. BvL Farmtechnology
  7. Leip et al., 2010

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