
Haltungsformen Rindermast
„Mastrinder werden in Österreich in Laufstallhaltung (67%), in Kombinationshaltung (32%) oder ganzjährig in Weide- und Freilandhaltung (1%) gehalten.“
Das Wohl der Tiere in der Mastrinderhaltung ist von vielen Faktoren abhängig. Entscheidend ist unter anderem die Art und Weise, wie die Rinder gehalten werden, also die baulichen Gegebenheiten, die Fütterung sowie das Herdenmanagement der Landwirtinnen und Landwirte.
Die gesetzlichen Anforderungen bilden den Mindeststandard in der Tierhaltung. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Qualitätsprogramme wie das AMA-Gütesiegel sowie das „AMA-Gütesiegel Mehr Tierwohl“, die strengere Kriterien vorgeben.
Je nach Tierkategorie – etwa Kälber, Jungstiere, Ochsen oder Kalbinnen – gelten unterschiedliche Anforderungen an Haltung und Management.
Die folgende Übersicht enthält eine genaue Beschreibung der Jungstiermast.
Die Haltung nach gesetzlichem Standard gewährleistet, dass natürliche Verhaltensweisen bestmöglich ausgelebt werden können. Kälbern bis zu einem Alter von 6 Monaten muss eine trockene, weiche und verformbare Liegefläche zur Verfügung stehen. Kälber über acht Wochen müssen in Gruppen gehalten werden.
- Platzangebot: freie Bewegungsmöglichkeit
- Stallausstattung: rutschfeste Bodenbeläge/Bodengestaltung, in geschlossenen Ställen natürliche oder mechanische (Ventilatoren) Luftzirkulation, genügend Fress- und Liegeplätze (Tier-Fressplatz-Verhältnis von höchstens 2,5:1), freier Zugang zu Futter und Wasser, mind. 3% der Bodenfläche als Fläche mit natürlichem Lichteinfall, Kälbern muss eine trockene, weiche und verformbare Liegefläche zur Verfügung stehen
- Futter: Gras-und Maissilage, Getreide und Kraftfutter (Eiweiß-,Vitamin-& Mineralstoffergänzung)
Rund 10.103 Landwirt:innen nehmen am Programm „AMA-Gütesiegel Rinderhaltung“ mit insgesamt 368.850 Mastplätzen teil. Das AMA-Gütesiegel stellt höhere Anforderungen als gesetzlich vorgeschrieben.
- Platzangebot: freie Bewegungsmöglichkeit (Problemloses Stehen, Gehen, Laufen, Liegen und Aufstehen muss gegeben sein.)
- Stallausstattung: rutschfeste Bodenbeläge/Bodengestaltung, in geschlossenen Ställen natürliche oder mechanische (Ventilatoren) Luftzirkulation, genügend Fress- und Liegeplätze, freier Zugang zu Futter und Wasser, mind. 3% der Bodenfläche als Fläche mit natürlichem Lichteinfall, Kälbern muss eine trockene, weiche und verformbare Liegefläche zur Verfügung stehen
- Futter: Gras-und Maissilage, Getreide und Kraftfutter (Eiweiß-,Vitamin-& Mineralstoffergänzung) – 2/3 der Futtermittel aus eigenem Betrieb, Zukauf muss Pastus+ zertifiziert sein
Die sogenannte „dauernde“ Anbindehaltung von Rindern ist in Österreich gesetzlich verboten – verpflichtende Kombinationshaltung oder Laufstall.
So sieht ein Rindermaststall mit AMA-Gütesiegel aus:

Weitere AMA-Gütesiegel Kriterien für Mastrinderbetriebe:
- Alle Tiere müssen in Österreich geboren, gemästet und geschlachtet werden (100% AT)
- Tiergesundheit: Tierärztliche Behandlungen wenn notwendig (Doppelte Wartezeit bei Medikamenten). Verpflichtende Mitgliedschaft bei einem anerkannten Tiergesundheitsdienst.
- Kontrolle basierend auf dreistufigem AMA-Kontrollsystem: Eigenkontrolle durch die Landwirt:innen mind. 2x täglich. Externe Überprüfung regelmäßig durch akkreditierte Kontrollstellen.
Freiwillige Zusatzmodule:
- QPlus Rind
- Regionale Herkunft
- Besondere Fütterung
- Mehr Tierwohl
- Seltene Rassen
Rund 2.000 Betriebe nehmen am freiwilligen Modul „Mehr Tierwohl“ des AMA-Gütesiegels teil. Dabei gelten dieselben Richtlinien wie beim regulären Gütesiegel, mit Ausnahme der Vorgaben zum Platzangebot und zur Einstreu.
- Platzangebot: zusätzlich 40% mehr Platzangebot. 40% dieser Fläche muss als eingestreute Liegefläche angeboten werden. Dieses Mehrangebot an Platz muss den Tieren ab dem 6. Lebensmonat bis zur Schlachtung zur Verfügung stehen.
- Stallausstattung: rutschfeste Bodenbeläge/Bodengestaltung, in geschlossenen Ställen natürliche oder mechanische (Ventilatoren) Luftzirkulation, genügend Fress- und Liegeplätze, freier Zugang zu Futter und Wasser, mind. 3% der Bodenfläche als Fläche mit natürlichem Lichteinfall, Kälbern muss eine trockene, weiche und verformbare Liegefläche zur Verfügung stehen
- Futter: Gras-und Maissilage, Getreide und Kraftfutter (Eiweiß-,Vitamin-& Mineralstoffergänzung) – 2/3 des Futtermittel aus eigenem Betrieb, Zukauf muss Pastus+ zertifiziert sein, Futtermittel der Negativliste dürfen nicht verfüttert werden
So sieht ein Rindermaststall mit „AMA-Gütesiegel Mehr Tierwohl“ aus:

Fütterung
Die Futtermittel umfassen grundsätzlich Mais- und Grassilage, Heu, Grünfutter, Getreide, Eiweißergänzung (z.B.: Raps- und Sojaextraktionsschrot, Actiprot,..), Vitamin- und Mineralstoffergänzungsfuttermittel.
Rindfleisch ist nicht gleich Rindfleisch
In der Rindermast gibt es unterschiedliche Kategorien: vom Kalb bis zum Ochsen.
Kälbermast
Bei der Kälbermast werden die Tiere in einem Alter von maximal 8 Monaten geschlachtet. Die Fütterung besteht anfangs hauptsächlich aus Milch, bzw. bei gewissen Programmen ausschließlich aus Milch. Hauptproduktionsgebiete sind vor allem Ober- und Niederösterreich sowie Kärnten.
- Milchmastkälber
- Kalb Rosé (= Mast von Milchrassekälber und Schlachtung in einem Alter von ca. 4-8 Monaten)
- BIO Milchmastkälber (verschiedene Programme, meist jedoch unter 6 Monaten)
AMA-Gütesiegel Jungstier
Bis zu einem Alter von maximal 20 Monate dürfen die Tiere, wenn sie den Anforderungen des AMA-Gütesiegels entsprechen, als solche vermarktet werden. Ausnahme bildet das „AMA-Gütesiegel Premium Rind“ mit maximal 21 Monaten. Hauptproduktionsgebiete sind Ober- und Niederösterreich.
Kalbinnenmast
Die Kalbinnenmast ist die intensive Mast weiblicher Rinder, die nicht für die Zucht verwendet werden. Die Tiere werden meist bis zu einem Alter von 18 bis 30 Monaten gehalten und je nach Haltungssystem unterschiedlich gefüttert. Hauptproduktionsgebiete sind Oberösterreich, Niederösterreich, Tirol, Kärnten, Steiermark und Salzburg.
- Konventionelle Mastkalbin
- AMA-Gütesiegel Mastkalbin (maximal 24 Monate) – oft in Kombination mit Regionalprogrammen: Cult Beef, Kalbin a la Carte,..(oft verschärfte Altersgrenzen)
- BIO Kalbin: verschiedene Programme, Schlachtung meist zwischen 18-30 Monate
Ochsenmast
Die Ochsenmast ist die Mast von kastrierten männlichen Rindern im Alter von 18 bis 30 Monaten. Sie erfolgt meist in Regionen mit *extensiver Fütterung, viel Grünland sowie häufig in Weidehaltung und biologischen Betrieben. Hauptproduktionsgebiete sind Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und die Steiermark.
- Konventioneller Ochse
- AMA-Gütesiegel Ochse: jünger 30 Monate – oft in Kombination mit Regionalprogrammen: ALMO, Cult Beef,..
- BIO Ochse: verschiedene Programme, Schlachtung meist zwischen 18-30 Monate
*Extensive Fütterung bezeichnet eine Fütterungsweise, bei der die Tiere überwiegend mit Grundfutter versorgt werden und nur geringe Mengen an energiereichem Kraftfutter erhalten.
Marktsituation Rindfleisch in Österreich
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch liegt in Österreich seit 2023 bei 9,9 Kilogramm pro Einwohner:in.
Gleichzeitig steigt bei Konsument:innen der Wunsch nach besseren Haltungsbedingungen für Mastrinder – insbesondere nach mehr Tierwohl und Bio-Produktion. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das jedoch einen erheblichen Mehraufwand bei Investitionen, laufenden Kosten und Arbeitszeit. Diese zusätzlichen Leistungen müssen entsprechend abgegolten werden, damit die steigenden Produktionskosten gedeckt werden können.
Gerade in Österreich ist die Landwirtschaft stark von kleinstrukturierten Familienbetrieben geprägt. Ein durchschnittlicher Mastbetrieb hält hierzulande rund 36 Rinder. Im internationalen Vergleich wird in Österreich bereits heute auf sehr hohem Niveau produziert – mit strengen Standards in den Bereichen Tierwohl, Qualität und Lebensmittelsicherheit.
Spannende Themen rund ums Rind
In Österreich ist die Rinderhaltung vor allem klein strukturiert – und dennoch ein zentraler Pfeiler der österreichischen Kulturlandschaft. Mehr erfährst du per Klick hier.
Österreich ohne Rinder? Zwischen Höfesterben und Zukunft der Landwirtschaft. Für den ganzen Bericht klick hier.
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- ARGE Rind
- AMA-Info
- AMA-Gütesiegelrichtlinien Rinderhaltung, 2021
- Statistik Austria




























