
Fischproduktion in Österreich
„Heimischer Fisch aus Österreich ist eine kleine, nachhaltige Qualitätsproduktion mit kurzen Transportwegen, hohen Tierwohlstandards und klarer Herkunftskennzeichnung – und deckt dennoch nur 8 % unseres Bedarfs.”
Woher kommt der Fisch auf meinem Teller?
Die Fischbranche in Österreich ist klein – aber fein. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei nur rund 8%, das heißt: Der überwiegende Teil des konsumierten Fisches wird importiert. Gleichzeitig ist die heimische Aquakultur eine landwirtschaftliche Sparte mit Zukunft und Potenzial, die ein sanftes Wachstum verzeichnet. Meist sind es kleinstrukturierte bäuerliche Familienbetriebe, die mit viel Fachwissen und Leidenschaft arbeiten und häufig die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Aufzucht der Jungfische bis zur Direktvermarktung im Hofladen. Auch für Quereinsteiger wird die Branche zunehmend attraktiv.
Im Jahr 2024 wurden in Österreich insgesamt rund 5.168 Tonnen Fisch erzeugt. Den größten Anteil macht die Forellenproduktion mit 3.790 Tonnen aus, gefolgt von der Karpfenteichwirtschaft mit rund 600 Tonnen und der Indoor-Aquakultur mit 536 Tonnen. Die Seenfischerei brachte etwa 160 Tonnen Wildfang an Land, weitere 82 Tonnen entfielen auf sonstige Arten wie Krebse. Bei Forellen und Karpfen gibt es zudem Bioproduktion.
Aquakultur – was bedeutet das eigentlich?
Der Begriff „Aquakultur“ wird oft mit großen Netzgehegen außerhalb Europas oder intensiven Produktionssystemen assoziiert. In Österreich bedeutet Aquakultur jedoch meist kleinstrukturierte, bäuerliche Fischzucht mit hohen gesetzlichen Standards.
Die Mindestanforderungen für die Haltung von Nutzfischen sind in der 1. Tierhalteverordnung (BGBl. II Nr. 485/2004) geregelt. Darin sind Wasserqualität, Fütterung, Bewegungsfreiheit und spezielle Vorschriften für Teich- und Forellenwirtschaft festgelegt.
Die heimische Fischhaltung orientiert sich an den sogenannten fünf Freiheiten des Tierwohls. Eine artgerechte Fütterung stellt sicher, dass die Tiere weder Hunger noch Mangel leiden. Karpfen ernähren sich großteils von natürlichem Plankton im Teich und erhalten ergänzend regionales Getreide. Forellen und Indoor-Fischarten bekommen speziell abgestimmtes Alleinfutter, das auch tierische Bestandteile enthält. Der Anteil von Fischmehl und -öl wurde in den vergangenen Jahren deutlich reduziert und wird laufend weiter optimiert. Forellen gelten zudem als besonders effiziente Futterverwerter mit einem Futterquotienten unter 1.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Karpfenteichwirtschaft. Der Karpfen erlebt derzeit einen Imagewandel hin zum „Zukunftsfisch“. Moderne Fütterungskonzepte haben das früher gelegentlich kritisierte „Schlammaroma“ weitgehend beseitigt. Die extensive Teichwirtschaft gilt als besonders nachhaltig. Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft wurde 2025 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als landwirtschaftliches Weltkulturerbe ausgezeichnet – als einziges Aquakultursystem Europas mit dieser Anerkennung.
Gut zu wissen
Fischprodukte sind klar gekennzeichnet. Neben der genauen Bezeichnung der Fischart findet sich die Angabe, ob der Fisch „in Aquakultur gewonnen“, „aus Binnenfischerei“ oder „gefangen“ wurde, sowie die Herkunft. „Herkunft Österreich“ bedeutet, dass mehr als 50 Prozent des Endgewichts oder mehr als 50 Prozent der Aufzuchtzeit in Österreich erfolgt sind.
Wer frischen Fisch kauft, sollte auf Geruch, Augen, Kiemenfarbe und Festigkeit achten: Frischer Fisch riecht neutral, die Augen sind klar und glänzend, die Kiemen kräftig rot bis rosa und das Fleisch elastisch. Am sichersten ist der Einkauf direkt beim Betrieb oder im Handel mit klarer Herkunftskennzeichnung.
Heimischer Fisch ist ein echtes Juwel unter den Lebensmitteln. Er liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren, steht für kurze Transportwege, hohe Wasserqualität und strenge Produktionsstandards. Wer bewusst österreichischen Fisch wählt, stärkt eine nachhaltige, kleinstrukturierte Branche – und trägt dazu bei, dass regionale Versorgung auch in Zukunft möglich bleibt.
Du willst wissen, wie es auf einem österreichischen Forellenbetrieb aussieht? Dann klick hier.
- ÖVFA
- NÖ Teichwirteverband
- Teichwirte- & Fischzüchterverband Stmk.
- Verband Österreichischer Forellenzüchter
- ARGE Biofisch
- Österreichischer Indoor Aquakultur Verein
- Seenfischer












