schau rein
Hier erfährst du hautnah, was in der Welt der tierischen Landwirtschaft passiert.

Grünlandbewirtschaftung, Fütterung & Effizienz

„Die Grünlandbewirtschaftung ist in Österreich eine zentrale Grundlage für die Fütterung vieler Wiederkäuer. Gleichzeitig kann sie zur Nutzung und Offenhaltung von Kulturlandschaften beitragen.“ ¹˒²

Grünlandbewirtschaftung

Österreich umfasst eine Fläche von rund 8,39 Mio. ha. Davon werden rund 2,57 Mio. ha landwirtschaftlich genutzt. Rund 1,3 Mio. ha entfallen – je nach Quelle, Jahr und Definition – auf Grünland inklusive Almen.²˒³

Grünlandbewirtschaftung bedeutet, dass Wiesen und Weiden gemäht oder beweidet werden, um daraus Futter für Nutztiere zu gewinnen. Je nach Standort und Nutzungsintensität werden Grünlandflächen ein- oder mehrmals im Jahr gemäht, beispielsweise zur Erzeugung von Heu oder Silage.¹˒⁴

Drum beachte: Hundekot und Müll auf Wiesen und Feldern können Futter verschmutzen und bei Nutztieren zu Erkrankungen oder Verletzungen führen. Deshalb gilt: Bitte Wiesen, Weiden und Felder sauber halten.

Welche Funktionen hat Grünland?

Grünland kann mehrere Funktionen erfüllen:

  • Es liefert je nach Standort, Nutzung und Schnittzeitpunkt wertvolles Grundfutter für Rinder, Schafe und Ziegen.
  • Es ermöglicht die landwirtschaftliche Nutzung von Regionen, in denen Ackerbau nur eingeschränkt möglich oder wirtschaftlich sinnvoll ist, beispielsweise aufgrund von Hanglage, Bodenverhältnissen oder hohen Niederschlägen.
  • Eine dauerhafte Bodenbedeckung kann Erosion verringern und zur Bodenstabilität beitragen.
  • Grünlandböden können Kohlenstoff speichern. Die tatsächliche Klimawirkung hängt jedoch unter anderem von Standort, Boden, Nutzung und Bewirtschaftung ab.
  • Grünland kann zur Puffer- und Filterfunktion von Böden beitragen. Die Auswirkungen auf Wasser- und Nährstoffhaushalt sind von den jeweiligen Standort- und Bewirtschaftungsbedingungen abhängig.
  • Extensiv genutztes Grünland kann artenreich sein, insbesondere bei standortangepasster Nutzung und geringer Düngung.¹˒⁴

Erster Schnitt

Als erster Schnitt wird der erste Mahdzeitpunkt im Jahr bezeichnet. Er liegt häufig zwischen Ende April und Mai, abhängig von Region, Höhenlage, Pflanzenbestand und Witterung. Warme und feuchte Witterung kann das Wachstum beschleunigen, während kühle Phasen die Entwicklung verlangsamen können.⁴

Der passende Schnittzeitpunkt hängt von mehreren Faktoren ab. Neben Ertrag und Futterqualität spielen auch Pflanzenbestand, Witterung und betriebliche Möglichkeiten eine Rolle. Für die Fütterung ist unter anderem das Verhältnis von Rohfaser, Rohprotein und Energie im geernteten Futter relevant.¹˒⁴

SatGrass-App

Das Grünland entwickelt sich im Frühjahr oft schneller, als man denkt. Einige warme Tage können den passenden Schnittzeitpunkt näher rücken lassen. Wer zu früh oder zu spät mäht, kann Ertrag oder Futterqualität beeinflussen.

Hier setzt die SatGrass-App Gumpenstein an. Mithilfe von Satelliten-, Wetter- und Modellinformationen liefert sie tagesaktuelle, schlagspezifische Informationen zu Ertrag und Futterqualität. Damit erhalten Landwirtinnen und Landwirte eine digitale Entscheidungshilfe für das Grünlandmanagement.

Die Prognosefunktion zeigt, wie sich Ertrag und Futterqualität in den kommenden Tagen entwickeln könnten. Die App ergänzt damit Erfahrung und Feldbeobachtung um digitale Prognosedaten.⁶

Extreme Trockenheit in Österreich

Im Frühling 2026 verzeichnete Österreich laut GeoSphere Austria den niederschlagsärmsten Frühling der Messgeschichte. Das Niederschlagsdefizit lag österreichweit bei rund 50 %, regional bei bis zu etwa 80 %. Solche Trockenphasen können die Vegetationsentwicklung und damit auch die Grünlandbewirtschaftung und Futtererträge beeinflussen.

Kühe sind Wiederkäuer. Ihre Futtergrundlage besteht häufig aus Gras, Heu oder Silage. Zusätzlich können Ergänzungsfuttermittel eingesetzt werden, beispielsweise Getreide, Eiweißfuttermittel und Mineralfutter. Die genaue Futterration hängt unter anderem von Tier, Alter, Leistung, Gesundheitszustand und Betriebssystem ab.¹˒⁴

Milchkühe nehmen je nach Leistung, Körpergröße, Laktationsphase und Ration häufig etwa 15–23 kg Trockenmasse pro Tag auf. Unter Trockenmasse versteht man die Futtermasse ohne Wasser. Sie ist eine wichtige Grundlage für die Berechnung von Futterrationen.

Richtwerte für die Trockenmasse:

  • 1 kg Frischmasse Grassilage enthält ungefähr 350 g Trockenmasse.
  • 1 kg Frischmasse Maissilage enthält ungefähr 330 g Trockenmasse.
  • 1 kg Heu enthält ungefähr 860 g Trockenmasse.

Woher wissen Landwirt, welche Leistung eine Kuh aktuell hat?

Durch regelmäßige Milchleistungskontrollen kennen Landwirt die Milchmenge und die Milchinhaltsstoffe ihrer Kühe. Diese Daten können dazu beitragen, die Futterration möglichst gut an den Bedarf und die Leistung der jeweiligen Tiere anzupassen.¹˒⁴

AMA-Gütesiegel-Richtlinien für die Fütterung von Milchkühen

Für AMA-Gütesiegel-Betriebe gelten definierte Vorgaben zur Fütterung, Futterherkunft und Kontrolle.

Der überwiegende Teil des Futters soll laut AMA-Gütesiegel-Richtlinie vom eigenen Betrieb stammen. Werden Futtermittel zugekauft, müssen sie den jeweiligen Vorgaben entsprechen. Dazu zählen beispielsweise Anforderungen an die Zertifizierung. Nicht zugelassene Futtermittel sind in der Negativliste der AMA-Marketing angeführt.⁵

Für AMA-Gütesiegel-Milch gelten außerdem Vorgaben zur gentechnikfreien Fütterung. Die konkreten Anforderungen sind in den jeweils gültigen AMA-Gütesiegel-Richtlinien festgelegt.⁵

Futtereffizienz – breed4green

In der Rinderzucht wird laufend zu Möglichkeiten geforscht, Futter effizienter zu nutzen und gleichzeitig Tiergesundheit, Tierleistung und Umweltwirkungen zu berücksichtigen.¹

Was bedeutet Futtereffizienz?

Futtereffizienz beschreibt, wie viel Futter ein Tier für eine bestimmte Leistung benötigt. In der Milchproduktion kann beispielsweise die Milchmenge je Kilogramm aufgenommener Trockenmasse als Kennzahl herangezogen werden. Je nach Forschungsprojekt werden unterschiedliche Kennzahlen zur Futtereffizienz verwendet.

Eine bessere Futtereffizienz kann dazu beitragen, Futterkosten zu reduzieren und Futter pro Leistungseinheit effizienter zu nutzen. Auch die Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Milch oder Fleisch können durch eine bessere Futtereffizienz beeinflusst werden. Die tatsächliche Klimawirkung hängt jedoch vom gesamten Produktionssystem und zahlreichen weiteren Faktoren ab.

Das Projekt breed4green

Das Forschungsprojekt breed4green untersucht züchterische Möglichkeiten, um die Futtereffizienz zu verbessern und Treibhausgasemissionen bei Rindern zu reduzieren. Im Fokus stehen unter anderem die Rassen Fleckvieh und Brown Swiss.¹

Dabei steht das Einzeltier im Mittelpunkt. Untersucht wird unter anderem, ob Unterschiede zwischen Tieren hinsichtlich Futtereffizienz und Methanemissionen für zukünftige züchterische Ansätze genutzt werden können.

Methan entsteht bei Wiederkäuern im Pansen während der Verdauung und wird unter anderem über die Atemluft abgegeben.

Mit dem GreenFeed-System können die Methanemissionen einzelner Tiere während der Aufnahme von Ergänzungsfutter gemessen werden. Dabei werden die ausgeatmeten Gase erfasst.

Erste Ergebnisse

Bei Forschungsprojekten zu breed4green wurden Methanmessungen an mehreren Betrieben und Tieren durchgeführt. Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren. Diese Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen dazu, inwieweit Futtereffizienz und Methanemissionen auch züchterisch berücksichtigt werden können.¹

Du willst wissen, wie sich die Fütterung von Rindern auf das Fleischaroma auswirkt? Dann klick hier.

Wie eine Milchleistungskontrolle abläuft, erfährst du per Klick hier.

¹ Rinderzucht Austria
² Grüner Bericht 2024
³ Agrarstrukturerhebung / Statistik Austria
⁴ Landwirtschaftskammer Kärnten & Oberösterreich
⁵ AMA.info / AMA-Gütesiegel-Richtlinien
⁶ BvL Farmtechnology / SatGrass
⁷ Leip et al. (2010)

Zusätzliche Quelle für den aktualisierten Trockenheitsabschnitt: GeoSphere Austria, Frühling 2026.

schau rein
Hier erfährst du hautnah, was in der Welt der tierischen Landwirtschaft passiert.