
Wolf in Österreich – Almen in Gefahr
„Der Wolf ist zurück in Österreich – und mit ihm wachsen die Herausforderungen für die Weide- und Almhaltung. Wolfsrisse verursachen nicht nur Tierverluste, sondern auch hohe Kosten, Ängste in den Herden und zusätzliche Belastungen für die bäuerlichen Familienbetriebe.“
Wolfsrisse: Die Zahlen steigen
Im Jahr 2025 wurden laut Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs:
- 454 Schafe und Ziegen getötet
- 20 Tiere verletzt
- 654 Tiere vermisst
Gerade die vermissten Tiere zeigen, welche Folgen ein Wolfsangriff für eine Herde haben kann. Nach einem Riss geraten Schafe und Ziegen oft in Panik, fliehen über weite Strecken und verstreuen sich im alpinen Gelände. Viele Tiere werden nicht mehr gefunden und verenden vermutlich später auf der Alm.
Weidehaltung ist mehr als Landwirtschaft
Die Alm- und Weidewirtschaft ist ein zentraler Bestandteil der österreichischen Landwirtschaft. Sie sorgt nicht nur für hochwertige Lebensmittel, sondern erhält auch unsere Kulturlandschaft und viele wertvolle Lebensräume im Berggebiet.
Doch genau diese Weidetiere sind für den Wolf leichte Beute.
Immer mehr Betriebe fragen sich daher: Wie kann Herdenschutz überhaupt funktionieren?
Herdenschutz: teuer, aufwendig und oft schwierig
Immer wieder wird gefordert, Weidetiere besser zu schützen. In der Praxis stoßen viele Maßnahmen jedoch an ihre Grenzen.
Zäune
Schutzzäune verursachen hohe Anschaffungskosten und benötigen viel Arbeitszeit für Aufbau und Wartung. Gerade im steilen alpinen Gelände, wo Schafe und Ziegen im Sommer weiden, ist das Aufstellen von Zäunen oft kaum möglich.
Hirtinnen und Hirten
In Österreich gibt es bereits Hirtinnen und Hirten auf Almen. Für viele Betriebe mit kleinen Herden – durchschnittlich etwa 25 Schafe – ist eine dauerhafte Behirtung jedoch finanziell nicht leistbar. Selbst wenn mehrere Betriebe zusammenarbeiten, fehlen häufig geeignete Arbeitskräfte.
Herdenschutzhunde
Herdenschutzhunde werden speziell dafür gezüchtet, Herden zu verteidigen. Sie unterscheiden sich klar von Hütehunden, die Tiere lediglich lenken und zusammenhalten.
Der Einsatz von Herdenschutzhunden bringt jedoch neue Herausforderungen mit sich: Konflikte mit Wanderern, Touristinnen oder anderen Hunden sind möglich. Für den Herdenschutzhund ist oft schwer erkennbar, ob eine Annäherung harmlos ist oder eine Gefahr darstellt. Zudem entstehen hohen Kosten durch die Anschaffung und Ausbildung eines Herdenschutzhundes.
Wer soll das bezahlen?
Viele Schutzmaßnahmen bedeuten hohe Investitionen, laufende Kosten und zusätzlichen Arbeitsaufwand. Gleichzeitig sind manche Lösungen in alpinen Regionen nur eingeschränkt umsetzbar.
Almweiden ohne Schafe: Folgen der Wolfspräsenz
Was passiert, wenn Schafe und Ziegen nicht mehr auf die Alm getrieben werden? Mit zunehmender Wolfspräsenz wächst bei vielen Tierhalterinnen die Sorge um ihre Herden. Immer häufiger wird daher diskutiert, ob die Almwirtschaft langfristig noch möglich ist.
Dabei hätte ein Rückgang der Almbeweidung weitreichende Folgen – für Tierwohl, Artenvielfalt, Landschaftspflege und Tourismus.
Weniger Tiere auf der Alm bedeutet weniger Tierwohl
Almen bieten Schafen und Ziegen viel Bewegungsfreiheit und eine vielfältige natürliche Futtergrundlage. Die Tiere können unterschiedliche Kräuter und Pflanzen aufnehmen und ihrem natürlichen Bewegungsverhalten nachgehen.
Ohne Almhaltung verlieren die Tiere genau diese Möglichkeiten.
Almen schützen Landschaft und Umwelt
Schafe und Ziegen leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer Bergregionen. Durch das Beweiden bleiben Flächen offen, die maschinell kaum bewirtschaftet werden können.
Ohne regelmäßige Beweidung kommt es zur Verbuschung:
- Sträucher und Büsche breiten sich aus
- wertvolle Almflächen gehen verloren
- offene Landschaften verschwinden
Gerade kleine Wiederkäuer können mit ihrer geringen Größe auch steile und schwer zugängliche Flächen nutzen, die für andere Nutztiere nicht erreichbar sind.
Schutz vor Erosion und Naturgefahren
Durch das Abgrasen langer Pflanzenbestände helfen Schafe und Ziegen dabei, die Stabilität von Almflächen zu erhalten. Gleichzeitig fördern ihre Klauen den Aufbau einer stabilen Grasnarbe – die sogenannte „goldene Klaue“.
Bewirtschaftete Almen tragen dazu bei:
- Erosion zu reduzieren
- Rutschungen vorzubeugen
- Muren- und Lawinengefahr zu verringern
Werden Almen aufgegeben, fehlen diese natürlichen Pflegeleistungen.
Artenvielfalt braucht Almbewirtschaftung
Almen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Österreichs.
Durch die Beweidung entstehen offene Bodenstellen, auf denen Pflanzensamen keimen können. Zusätzlich verbreiten die Tiere Samen über Fell, Klauen und Kot weiter.
Wenn Almflächen zuwachsen:
- verlieren viele Pflanzenarten ihren Lebensraum
- niedrig wachsende Pflanzen werden verdrängt
- spezialisierte Tierarten verschwinden
Die Almwirtschaft leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität im Berggebiet.
Folgen für Tourismus und Wintersport
Offene Almflächen prägen das Landschaftsbild vieler Tourismusregionen. Werden Almen nicht mehr bewirtschaftet, wachsen Wege, Hänge und Freiflächen langsam zu.
Das hat auch Auswirkungen auf:
- Wanderwege
- Skipisten
- Loipen
- touristische Infrastruktur
Langfristig kann die Verwaldung ganzer Almgebiete den Tourismus im Bergraum beeinträchtigen.
Wertvolle Lebensmittel aus der Almwirtschaft
Schafe und Ziegen liefern hochwertige Lebensmittel:
- Milch
- Käse
- Fleisch
Gleichzeitig nutzen sie Flächen, die für den direkten Ackerbau ungeeignet sind. Durch das Abgrasen wird Gras aus alpinen Regionen indirekt auch für die menschliche Ernährung nutzbar gemacht.
Almwirtschaft betrifft uns alle
2024 wurden laut Grünem Bericht:
- 103.105 Schafe
- 13.279 Ziegen
auf österreichische Almen getrieben.
Die Almwirtschaft ist weit mehr als Tierhaltung. Sie erhält Kulturlandschaften, schützt sensible Bergregionen und schafft Lebensräume für zahlreiche Arten.
Wenn immer weniger Tiere auf die Alm kommen, verändert sich daher nicht nur die Landwirtschaft – sondern der gesamte alpine Raum.

- ÖBSZ
- Funktionen der Almwirtschaft: Land Tirol
- Österreichzentrum Bär Wolf Luchs
- Umweltbundesamt
- HBLFA Raumberg-Gumpenstein


















