
Haltungsformen Mutterkühe
„Die Mutterkuhhaltung in Österreich bildet die Grundlage der heimischen Rindfleischproduktion und trägt wesentlich zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei.“
Wie funktioniert Mutterkuhhaltung?
Bei der Mutterkuhhaltung bleiben die Kälber bei den Kühen. Die Mutterkühe sind mit ihren Kälbern dabei im Frühling/Sommer auf der Weide und Alm und meist nur in den Wintermonaten im Stall.
Die Mutterkuhhaltung ist eine Form der Rinderhaltung, bei der die Kühe nicht gemolken werden. Stattdessen bleibt das Kalb bei der Kuh und ernährt sich von deren Milch, bis es abgesetzt wird. Es werden Doppelnutzungsrassen gekreuzt mit Fleischrassen, Fleischrinderrassen, gefährdete Rassen in der Mutterkuhhaltung eingesetzt. Dies trägt zur Rassenvielfalt bei!
Nach der Geburt eines Kalbes, trinkt es die Milch direkt von der Kuh und beginnt nach wenigen Tagen auch schon Gras und Heu zu fressen. Nach ca. 6-9 Monaten wird es abgesetzt (Entwöhnung von der Kuh und ihrer Milch) und ernährt sich nun vollständig von festem Futter. Die Jungtiere werden anschließend gemästet oder weiterverkauft (z.B. zur Rindfleischproduktion).
Ziel ist also nicht die Milchproduktion für den Verkauf, sondern Rindfleischproduktion oder Rinderzucht.
Typischer Jahresverlauf in der Mutterkuhhaltung
Abkalbung: Häufig in den kälteren Monaten (>60 % der Geburten von Oktober bis März und <40% von April bis September).
Säugephase/Aufzucht: Kalb bleibt bei der Mutterkuh und beginnt auch sehr früh Gras/festes Futter aufzunehmen; die Kühe sind mit ihren Kälbern in dieser Zeit meist auf Weiden oder Almen.
Absetzen: Nach 6-9 Monaten werden die Kälber abgesetzt.
„Weiterverwendung“: Nach dem Absetzen als Jungrind (Schlachtalter < 12 Monate) geschlachtet, als Einsteller an Mäster weiterverkauft, oder bei weiblichen Tieren als Kalbin aufgezogen, wenn sie später selbst Kälber bekommen soll.
(Einsteller = Stiere, Kalbinnen, Ochsen mit einem Alter von 6-9 Monate und einem Gewicht von 200-400 kg)
Die Kuh ist zum Zeitpunkt des Absetzens (mit ca. 9 Monaten) wieder trächtig und bekommt 6-8 Wochen nach dem Absetzen das nächste Kalb. Das Ziel ist ein Kalb pro Jahr.
Haltung und Management in Österreich
Die Mutterkuhhaltung in Österreich ist stark geprägt von:
- Weidehaltung (oft extensiv)
- Nutzung von Grünlandflächen, die anders kaum verwertbar wären
- Saisonaler/geblockter Abkalbung (gebündelte Geburtstermine der Herde)
- Häufig auch ein Stier in der Herde
Betriebe sind oft:
- kleinstrukturiert (durchschnittlich 9 Mutterkühe pro Betrieb)
- familiengeführt
- häufig in Berg- und benachteiligten Regionen (aufgrund Steilheit, Witterungsverhältnissen,..)
- häufig im Nebenerwerb geführt
Vorteile dieses Systems:
- Kalb wächst bei Mutter auf
- Nutzung von Grünland/Dauergrünland: besonders in Gebieten ohne Ackerbau
- geringerer technischer Aufwand als Milchviehhaltung
- naturnahe Wirtschaftsweise (Weide, saisonale Abläufe)
Herausforderungen:
- wirtschaftlich oft weniger ertragreich als intensive Systeme
- Marktabhängigkeit für Rindfleisch
- Management, Mensch-Tier-Beziehung enorm wichtig (Mutterinstinkt, …)
Typisch für Österreich sind kleinere Herden.
Während der Stallperiode werden Mutterkühe überwiegend in Lauf- oder Tiefstreuställen mit Stroh, ausreichend Bewegungsfreiheit und oft offenen Stallbereichen gehalten. Viele Betriebe verfügen zusätzlich über Kälberschlupf, Fress- und Liegebereiche sowie funktionale Einrichtungen wie Abkalbeboxen oder Verladeeinrichtungen. Der Stall dient vor allem als Winterunterbringung – das Zentrum der Haltung bleibt die Weide.
Die Weidehaltung ist ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Mutterkuhhaltung:
• Frühling bis Herbst: Weidehaltung (ca. 5–7 Monate)
• Sommer in Bergregionen: Almwirtschaft/Sommerweide
• Winter: Stallhaltung mit Heu, Silage und Grundfutter
Besonders hervorzuheben sind die enge Verbindung zur Almwirtschaft, die Bedeutung für die Landschaftspflege sowie der Fokus auf extensive und tiergerechte Haltung. Die österreichische Mutterkuhhaltung bildet außerdem die Grundlage für 10 Qualitätsfleischprogramme, darunter JaNatürlichJungrind, TannAlpenochs, Almo und Murbodner.
Mutterkühe auf der Alm – Umgang, Mutterinstinkt,..
Viele stellen sich die Alm als idyllischen Ort vor – und das ist sie auch. Aber Tiere auf Almen, egal ob Mutterkuh, Kalb oder Kalbin,.. sind KEINE Streicheltiere! Sondern Tiere mit starkem natürlichem Verhalten.
Mutterkühe haben einen sehr ausgeprägten Schutzinstinkt gegenüber ihren Kälbern. Das bedeutet:
- Sie beobachten ständig ihre Umgebung.
- Sie reagieren, wenn sie eine Gefahr vermuten.
- Sie können aktiv verteidigen, wenn sich jemand dem Kalb nähert.
Hunde sind ein besonderer Auslöser
Ein ganz entscheidender Punkt:
Kühe sehen Hunde oft als Raubtiere – ähnlich wie Wölfe!
- Das verstärkt den Schutzinstinkt massiv.
- Mutterkühe reagieren dann schneller und intensiver.
Das Problem sind nicht „verwilderte“ Mutterkühe, die Menschen angreifen. Rinder – besonders Kälber und Jungrinder – sind neugierig. Hunde lösen dabei nicht nur Schutzverhalten bei Mutterkühen aus, sondern oft auch eine Art Spieltrieb bzw. Nachlaufen aus Neugierde. Viele Hunde sind mit dieser Situation überfordert, beginnen zu bellen oder laufen schneller weg – und genau daraus können kritische Situationen entstehen.
Daher gilt: Rinder nicht füttern, nicht streicheln und möglichst einfach ignorieren. Das ist auch im Interesse anderer Wanderer sinnvoll. Rinder sind intelligent und lernen schnell: Wenn sie erfahren, dass es aus Rucksäcken Semmeln, Äpfel oder andere Snacks gibt, versuchen sie das später auch bei Menschen, die keinen direkten Umgang mit ihnen haben. Dasselbe gilt für Streicheleinheiten – auch daran gewöhnen sie sich rasch.
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- Rinderzucht Austria
- Grüner Bericht, 2025
- STATcube von Statistik Austria
- BMLUK
- Landwirtschaftskammer Österreich, Salzburg, Steiermark
- AMA
- Styria Beef
- Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh: Almenland, BMLUK, LKÖ, WKO, Alpenverein Österreich




























